Der Schnupftabakreiber von Perlesreut
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Der Schnupftabakreiber von Perlesreut

Georg Prager der letzte Schnupftabakreiber des Ortes ist so etwas wie ein inoffizielles Wahrzeichen von Perlesreut. Das verwundert nicht, hat doch der Tabak in der Geschichte von Perlesreut eine bedeutende Rolle gespielt.
Verschiedene Tabakdosen und Schnupftabakmaschinen kann man bei Georg Prager kaufen.


Der "Perlesreuter Schmalzler"

Noch heute gibt es hier die letzte Zigarrenfabrik des Bayerischen Waldes. Nur noch sechs Frauen arbeiten dort. In früheren Zeiten waren es fast zweihundert. Ähnlich war es mit dem Schnupftabak. Perlesreut war seit 1870 eine Hochburg der Tabakherstellung.

Anton Bogenstätter stellte den berühmten "Perlesreuter Schmalzler" her, bis die Produktion 1917 eingestellt wurde. Die Tabakfabrik wurde bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs mit einer Dieselmotoranlage betrieben, die gleichzeitig den Ort mit Strom versorgte. Mit der Verknappung von Rohöl während der Kriegsjahre wurde die Anlage nach Grafenau verlegt, um dort die Produktion - aus heutiger Sicht ihrer Zeit voraus - bis zur Stilllegung der Fabrik im Jahre 1974 alternativ mit Wasserkraft aufrecht zu erhalten.

Die Schnupftabakfirma Alois Pöschl kaufte die Firma und damit auch die Rezepte auf. Noch heute wird der Schmalzler "Perlesreuter Waldler Fresko" der Firma Bogenstätter von der Firma Pöschl mit unveränderter Rezeptur hergestellt und vertrieben.

Die Maschinen der Firma Bogenstätter bildeten übrigens die Grundlage für das einzigartige Schnupftabakmuseum der Stadt Grafenau, das im Jahre 1981 eröffnet wurde. Dazu findet man eine Vielfalt von Schnupftabakgläsern, unter anderem auch das größte Schnupftabakglas der Welt mit einer Größe von 69,7 x 45,7 cm und einem Gewicht von ca. 32 kg. Noch heute feiert der Ort Perlesreut an jedem dritten Wochenende im Juli sein "Schmalzlerfest" mit dem Schnupferwettbewerb. Der Schnupftabak ist bereits seit 400 Jahren in Europa bekannt. Bereits 1677 entstand die erste SchnupftabakManufaktur der Welt, die königliche Tabakfabrik im spanischen Sevilla. 1733 die erste Schnupftabakfabrik hierzulande und zwar in Offenbach am Main, die noch heute existierende Firma Bernard.

Alte Tradition wiederbeleben

Georg Prager arbeitete im Steinbruch als Steinhauer. Über einen älteren Kollegen kam er mit dem Schnupfen in Berührung. Die Sache gefiel ihm. Vor über 35 Jahren entschloss er sich, mit einigen Gleichgesinnten einen Schnupferverein zu gründen und die alte Tradition wieder zu beleben. Er war lange Jahre zweiter Vorsitzender des Vereins. Derzeit hat der Verein etwa 65 Mitglieder. Natürlich kann man Schnupftabak selber kaufen, aber selber machen, macht mehr Spaß.

Auf einem ehemaligen Schild der Firma Bogenstätter, das heute seine Werkstatt ziert, fand Georg Prager eine Darstellung des Schnupftabakreibers. Die Kleidung, die er heute beim Schnupftabakreiben trägt, hat er dieser alten Darstellung nachempfunden. Auf vielen lokalen Festen ist er seit Jahren ein gern gesehener Gast. Viele Festbesucher haben ihm schon bei seiner Arbeit zugesehen.

Herstellung des Schnupftabaks

Brasiltabak eignet sich am besten für die Herstellung von Schnupftabak, da er eine der mildesten Sorten ist. Bevor der Tabak in einem "Reiberscherm" (Tongefäß) zerrieben wird, muss er absolut trocken sein. Ist dies der Fall, wird solange gerieben, bis die ganzen Tabakblätter zu einer Art braunem Pulver geworden sind. Anschließend wird das ganze gesiebt. Dann kommen die Zutaten. Die wichtigste ist das Butterschmalz. Daher kommt übrigens der Ausdruck Schmalzler für den in Bayern typischen Schnupftabak.

Auch der Kautabak darf nicht fehlen. Dazu kann man noch Blütenhonig und verschiedene Liköre wie z. B. selbstgemachten Kirschlikör zur Verfeinerung nehmen. Bevor der Schnupftabak aber gebrauchsfertig ist, muss er ruhen, das heißt, die Mischung sollte etwa 14 Tage durchziehen bevor der Schnupfer sie genießen kann. Es gibt natürlich die verschiedensten Rezepte und Zusätze. Immerhin kann Georg Prager mit recht behaupten, dass er nur natürliche Zutaten seinem Schmalzler zufügt, denn selbst die Liköre macht er selbst. Aber damit noch lange nicht genug. Auch die Schnupftabakdosen sind aus eigener Fertigung. Als besondere Sorte kann man die Horndosen bezeichnen. Diese werden aus Kuhhörnen hergestellt.

Mit den Schnupftabakmaschinen aus Holz kann man sich auf jeder Party königlich amüsieren, wenn man mittels einer Maschinen den Schmalzler zu sich nimmt. Selbst eine Schmalzlerkanone hat Georg Prager in seiner Kollektion. (Text und Fotos: Rudi Demont)

Kontakt: Georg Prager, Oberanschießing 15, 94157 Perlesreut, Tel.: 0 85 55/15 13.

Artikel vom 18.08.09
Quelle: http://www.chiemgau-online.de/portal/lokales/altbayern_Der-Schnupftabakreiber-von-Perlesreut-_arid,84748.html


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