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Ein Lehrberuf ist ausgestorben

Anfang 1930 gewann die Tabakindustrie im Hegau zunehmend an Bedeutung. In Watterdingen fand die Firma "Weber Stumpen" einen geeigneten Standort - nur nicht all zu lang. Danach wurde daraus eine Filiale von "Kautz & Kompany", welche ihren Hauptsitz in Engen hatte (im heutigen Noch- Schiesser-Gebäude). Weitere Filialen hatte das Unternehmen in Welschingen, Emmingen, Liptingen, Eigeltingen und in Tengen. Nach dieser Ära hieß die Tabakindustrie im Hegau "Gustav König" mit Sitz in Leipferdingen.

1948 entstand das bekannte "Blauband" mit Hauptsitz in Watterdingen. Das Unternehmen hatte Filialen in Tengen, Binningen, Riedöschingen, Riedböhringen, Geisingen, Leipferdingen und später im gesamten Bundesgebiet und beschäftigte über 600 Arbeitskräfte. Der Betrieb wurde 1976 geschlossen. Damals wurden die Zigarren und Stumpen noch komplett durch Handarbeit hergestellt. Die Tabak-Blätter mussten zugeschnitten und gewickelt werden. Das Trocknen dauerte ohne Trockenmaschinen entsprechend länger. So kam es dazu, dass im Winter produziert und im Sommer verkauft wurde.

Die Tabakindustrie beschäftigte zum Großteil Frauen und Heimarbeiter aus der Landwirtschaft. Das war für viele eine geeignete Winter-Tätigkeit. Deswegen siedelte sich die Tabakindustrie bevorzugt im ländlichen Raum an. 1950 kamen die ersten Maschinen auf den Markt. Arbeitsplätze konnten so eingespart werden. Doch wurde der Einsatz von Maschinen nur ungern gesehen. Die Unternehmen mussten sich den Betrieb der Maschinen vom Landratsamt genehmigen lassen. Die Genehmigung bekamen sie nur, wenn auszuschließen war, dass Personal deswegen abgebaut wurde. Ende der 50er Jahre knickte der Wirtschaftszweig der Tabakindustrie nach unten. Die Leute fingen an, Geschmack an der Zigarette zu finden. Der harte Preiskampf verschlechterte zudem die Qualität der produzierten Zigarren und Stumpen. Die Nachfrage nahm ab - das hieß für viele Hersteller das Aus. 1950 waren im gesamten Bundesgebiet noch 2000 Hersteller tätig. 1970 überlebten den harten Kampf im Wettbewerb nur knapp 100. Heute sieht die Welt ganz anders aus: Zehn Tabakhersteller (genau genommen Zigarrenhersteller) haben in Deutschland überlebt. Davon sind drei Großkonzerne. Der viertgrößte Tabak-Betrieb ist in Watterdingen: die Firma "Georg Otto Kruse GmbH" unter der Leitung von Walter und Karl-Heinz Messmer.

Die Produktionsstätte wurde Ende der sechziger Jahre von Vater und Sohn gegründet. Heute beschäftigt das Unternehmen 35 bis 40 Arbeitskräfte: "Früher hat die ältere Generation die dicken Zigarren geraucht. Heute hingegen sind schlanke Modelle gefragt, die von jedem Alter konsumiert werden. Die Stumpen haben durch die Filmindustrie einen etwas schlechten Ruf abbekommen, da sie meist nur von Ganoven und Gangstern in den Filmen geraucht werden. Wir stellen uns natürlich auf die Nachfrage ein. Das einst mal so trächtige Weihnachtsgeschäft gibt es in der einst gewohnten Art auch nicht mehr. Die gesamte Branche hat schwere Rückschläge erlitten. Auch der Zoll und das Finanzamt langen kräftig zu, wenn es um die Steuern und Zölle geht. Was einst ein Lehrberuf gewesen ist, ist ausgestorben", so Karl-Heinz Messmer der Junior-Chef.

Rohstoff-Vorrat ist in der Branche lebenswichtig. Ist eine Ernte einmal schlecht ausgefallen, wird der Hersteller sehr schnell vom Lieferanten im Regen stehen gelassen und kann die entsprechende Sorte mit der individuellen Mischung nicht mehr produzieren. Auch können die Preise der Lieferanten plötzlich ansteigen. "Wir können etwa fünf Jahre produzieren ohne einzukaufen", erklärte Messmer. "So kommt es so gut wie nie vor, dass die Produktion still steht. Lagerhaltung ist das A und O."

Wolfgang Graf
Quelle: http://www.wochenblatt.net/Zeiten/texte/19302.htm

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Mein kleiner Rauchsalon
von Matthias Flachmann
aus Duisburg
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